Acht Arme, blaues Blut ... und drei Herzen: Der Oktopus

 

Oktopusse gehören zur Familie der Mollusken, wie zum Beispiel auch Schnecken und Muscheln. Ihre engsten Verwandten sind der Nautilus, Sepien und Kalmare. Sowohl die grössten als auch die kleinsten Oktopusse sind an den Küsten Amerikas zu finden: Der Nordpazifik Oktopus (über 10 Meter gross und 50 kg schwer) und der Kalifornische Oktopus, der gerade mal an die zwei Zentimeter misst.

Oktopusse haben unter den wirbellosen Tieren das komplexeste Gehirn. Sie verfügen über ein Lang- und Kurzzeitgedächtnis, genauso wie Wirbeltiere. Sie lernen ein Problem zu lösen - zum Beispiel durch Versuch und Irrtum und Erfahrung, speichern dieses Ergebnis, erinnern sich daran und sind somit in der Lage ähnliche Probleme später wiederholt zu lösen.

Oktopusse haben einen äußert ausgeprägten Tastsinn, der durchaus zum Erkennen von Dingen verwendet wird. Ein Oktopus "mit verbundenen Augen" zum Beispiel kann ebenso mühelos zwischen verschiedenen Formen und Größen unterscheiden wie ein "sehender".

Oktopusse verfügen aber auch über ein hochentwickeltes Auge, dessen Sehvermögen mit dem des menschlichen Auges zu vergleichen ist. Fokussiert wird allerdings durch Vor- und Zurückbewegen der Linse, und nicht durch Veränderung der Form.
Wenn sich ein Oktopus bedroht fühlt, wird er versuchen durch das Ausstoßen von schwarzblauer Tinte den Feind zu verwirren und die Flucht zu ergreifen. Mehrere solcher Tintenattacken sind möglich bis der Tintensack leer ist. Die "Tinte" ist eine auch für den Oktopus giftige Flüssigkeit, falls er sich in einer kleinen Höhle befindet, wo der Wasseraustausch nicht gegeben ist oder gar in Gefangenschaft in einem Aquarium. Kann er nicht entkommen, kann dies zu Krankheit oder sogar zum Tod des Oktopus führen.

Die Veränderung der Farbe und Struktur des Oktopus selber wird durch das Auge initiiert. Spezielle Pigmentzellen (Chromatophoren) werden aktiviert und der Oktopus passt sich perfekt seiner Umgebung an. Die Chromatophoren bestehen aus drei "Taschen", die verschiedene Farben enthalten, die durch Mischen dem Hintergrund angepasst werden. Die Farbe des Oktopus reflektiert auch seine Stimmung - Weiß für Angst, Rot für Ärger. Die normale Farbe ist braun.

Viele Oktopusse können auch giftige Sekrete produzieren, die tödlich für ihre Lieblingsbeute - Krabben und Lobster - ist. Aber der ziemlich kleine Blauringoktopus, der in Australien vorkommt, ist auch für Menschen tödlich! Sein winziger Schnabel kann einen dünnen Tauchanzug problemlos durchdringen!

Oktopusse sind getrenntgeschlechtlich und die Befruchtung findet intern statt. Bei manchen Arten kann das Männchen deutlich vom Weibchen unterschieden werden durch einen speziellen Fortsatz an einem seiner Arme. Dieser Fortsatz wird einerseits dazu gebraucht um ein Spermapaket in das Weibchen zu transportieren, aber auch um eventuell dort bereits vorhandene Spermapakete von Rivalen zu entfernen.
Etwa zwei Monate nach der Paarung befestigt das Weibchen Bündel von Eiern an der Decke ihrer Höhle. Die Anzahl der Eier, die ein Weibchen legen kann, ist sehr unterschiedlich und hängt von der Größe und der Art des Oktopus ab. Der "Gemeine Oktopus" kann zwischen 200.000 und 400.000 Eier legen, während der kleine Pygmäenoktopus lediglich an die 150 Eier legt, die aber im Verhältnis zu seiner eigenen Größe dafür riesig sind.
Sobald die Eier gelegt sind werden sie fürsorglich gepflegt und bewacht. Sie werden ununterbrochen mit den Fangarmen "gestreichelt", um so einen Bewuchs von Algen oder Bakterien zu verhindern. Ebenso wird ihnen ununterbrochen frischer Sauerstoff zugeführt, in dem die Oktopus-Mutter Frischwasser durch ihren Siphon pumpt und sanft auf die Eier bläst.
Sobald sich der heranwachsende Oktopus in seinem Ei weit genug entwickelt hat und bereit zum Schlüpfen ist, wird die liebevolle Behandlung etwas rauher, um den Babys beim Schlüpfen zu helfen.
Während dieser ganzen Zeit nimmt das Weibchen keinerlei Nahrung zu sich und stirbt ziemlich bald nachdem die Jungen geschlüpft sind.
Manche dieser winzigen Babies verbringen das erste Monat ihres Lebens im offenen Wasser als Zooplankton, bevor sie sich im wahrsten Sinne des Wortes am Meeresgrund niederlassen, andere hingegen sind sofort nach der Geburt Miniaturoktopusse und lassen sich sofort nieder.
Lediglich ein bis zwei von den 200.000 erreichen das Erwachsenenstadium eines Oktopus.

Cephalopoden (zum Beispiel Kalmare), zu denen auch der Oktopus gehört, findet man in allen Weltmeeren, von den warmen tropischen Gefilden bis zu den eisigen Wassern nahe der Pole. Vom Flachwasser bis zu den noch weitgehend unerforschten Tiefen des Meeres. Alle Arten leben im Meer, sie tolerieren - bis auf ganz wenige Ausnahmen - kein Brackwasser.

Cephalopoden sind eine ziemlich alte Gruppe, die das erste Mal in etwa im Kambrium auftaucht, einige Millionen Jahre bevor der erste primitive Fisch im Meer zu schwimmen begann. Wissenschaftler nehmen an, dass die Vorfahren der modernen Cephalopoden sich vom Nautilus entwickelt haben, so vor 438 Millionen Jahren! Wie lange ist das her? Um hier eine Relation zu schaffen: Das war lange bevor es die ersten Säugetiere gab, ja bevor überhaupt Wirbeltiere diese Erde bevölkerten, noch bevor der erste Fisch im Meer schwamm und noch vor den ersten aufrechten Pflanzen an Land!

References: James B. Wood

 

 

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